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  • Bruno Blum

Wenn die Natur einen Strich durch die Rechnung macht...


Auf den ersten Blick ist eine Tafel Schokolade das Werk des Schokoladenmachers. Und man vergisst dabei oft, dass die Wichtigsten Beteiligten an Schokolade ganz Andere sind. Dies wurde mir kürzlich wieder bewusst, als mich eine betrübliche Nachricht von der Hazienda Betulia in Kolumbien erreichte...


Bei den Schoggi-Events zeige ich den Besucher/innen zuerst immer mit einer kurzen Powerpoint-Präsentation, woher die Kakaobohnen kommen. Und dass die wichtigste Arbeit eigentlich nicht hier in der Schoggi-Werkstatt gemacht wird, sondern von den Menschen in den Kakao-Plantagen.


Denn was wäre ein Schoggimacher ohne Kakaobohnen? Nichts?


Deshalb bin ich auch jedesmal so dankbar, wenn eine neue Lieferung mit Kakaobohnen-Säcken nach der langen Reise hier in der Schoggi-Werkstatt ankommen.


Dass dies alles andere als Selbstverständlich ist, wurde mir kürzlich wieder mal deutlich bewusst, als mir der Inhaber der «Hazienda Betulia» – von der ich eine Bohnen-Sorte in meiner Schoggi direkt beziehe – per Whatsup folgende Mitteilung machte: «Der grosse und lange Regen in unserer Region hat die Hälfte unserer Ernte zerstört.»


Das war natürlich zuerst einmal ein Schock für meine Schoggi-Werkstatt. Weil damit plötzlich nicht sicher war, ob ich bei der nächsten Lieferung genügend Kakaobohnen für meine Schoggi-Herstellung erhalten würde. Aber das ist nur die eine, «egoistische» Seite. Die andere Seite ist: man stelle sich einmal vor, was das für die Plantage und die Menschen bedeutet, die dort arbeiten: die viele Mühe und Arbeit, die in der Hege der Pflanzen steckt, durch das Wetter vernichtet oder zumindest schlimm beeinträchtigt. Man stelle sich vor, wenn die Hälfte der geplanten Ernte einfach wegfällt! Die vernichtete Arbeit und der Ertrags-Ausfall. Die Hälfte der ganzen Arbeit einfach umsonst! Und dies «bloss», weil die Natur nicht so mitspielte, wie geplant...


Ich bin ja auch bei «guten Ernten» stets sehr, sehr dankbar dafür, dass so wunderbare Kakaobohnen wie zum Beispiel von der Hazienda Betulia zu Schoggi verarbeiten darf. Mit diesem Ereignis kam noch eine Portion Demut dazu. Was sind wir Menschen, wenn die Natur unsere «Pläne» durchkreuzt...


In Zukunft werde ich beim Schoggimachen nicht nur den Menschen dankbar sein, die diese Kakaobohnen durch ihre Arbeit und ihr Fachwissen erst ermöglicht haben. Sondern mir auch noch mehr bewusst sein, wie wenig selbstverständlich es ist, dass uns landwirtschaftliche Produkte zur Verfügung stehen.


Ich denke, Demut und Dankbarkeit sollte ein Teil des Genusses von Lebensmitteln sein. Und macht den Genuss noch intensiver, schöner – und weniger selbstverständlich...

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